Ärzte und Wissenschaftler aus Tübingen prüfen die Möglichkeit, die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) mit einer neuartigen Impfung zu heilen.

Dazu wird für jeden Patienten ein individualisierter, auf die speziellen Merkmale seiner Erkrankung zugeschnittener Impfstoff aus verschiedenen Peptiden zusammengestellt. Er wird nach der Standardbehandlung, die in einer anderen Klinik oder Praxis erfolgen kann, verabreicht. Durch die Impfung sollen die körpereigenen Abwehrzellen aktiviert, eine Immunantwort gegen die Tumorpeptide ausgelöst und dadurch die verbliebenen Leukämiezellen zerstört werden. Studien bei anderen Tumorerkrankungen haben gezeigt, dass die Vakzinierung in die Haut meist lediglich eine Rötung an der Impfstelle verursacht.

Die Phase II Studie zur Patienten-individualisierten Peptidvakzinierung von CLL-Patienten, die ohne finanzielle Unterstützung der Pharmaindustrie auskommt, wurde in Tübingen konzipiert und der Impfstoff im GMP-Labor (Good Manufacturing Practice) des Uniklinikums produziert. Finanziert wird die Studie durch Förderprogramme der Medizinischen Fakultät und von der Abteilung Immunologie am Interfakultären Institut für Zellbiologie der Universität Tübingen.

Die multizentrische Phase II Studie zur Patienten-individualisierten Peptidvakzinierung von CLL-Patienten wird an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, Abteilung Innere Medizin II sowie am Standort Stuttgart im Katharinenhospital, im Diakonie-Klinikum, im Marienhospital und im Robert-Bosch-Krankenhaus durchgeführt. Teilnehmen können erwachsene Patienten, bei denen eine CLL diagnostiziert wurde und die eine Indikation für eine Behandlung haben. Vor der Therapie müssen die Patienten zu einer Untersuchung ihrer CLL-Zellen in eines der Studienzentren kommen. Seine Leukämiezellen werden auf ihre individuellen Antigene im Labor analysiert (HLA-Ligandomanalyse), um den individuellen Impfstoff zusammenzustellen. Danach erfolgt die gängige Erstlinientherapie nach Wahl durch den behandelnden Arzt, bei der die CLL-Zellen zurückgedrängt werden.

Acht bis 14 Wochen nach Abschluss der herkömmlichen Therapie, wenn eine weitgehende Zurückdrängung der Leukämiezellen erreicht ist, erhalten die Studienteilnehmer eine Reihe von Impfungen mit dem auf ihre Krebszellen individuell angepassten Peptidcocktail. Der Impfstoff besteht aus tumor-assoziierten Proteinen. Sie sollen die Abwehrzellen, die so genannten T-Zellen des Patienten aktivieren, damit diese die verbliebenen Leukämiezellen zerstören, und so das sonst regelhafte Wiederauftreten der Erkrankung verhindern. Die Peptidvakzinierung wird ein Jahr lang einmal monatlich ambulant durchgeführt.