Ein neues automatisches System der Universität Oxford zur Auswertung von klinischen Studien stellt Universitäten und Pharmagrößen wie Sanofi, Novartis und Ranbaxy ein schlechtes Zeugnis aus: Sie veröffentlichen oftmals nur in geringem Umfang die Ergebnisse ihrer Studien.

Für fast die Hälfte aller klinischen Tests werden keine Daten publik gemacht. Die neue Online-Plattform TrialsTracker wertet regelmäßig Daten der weltweit größten Datenbank für klinische Studien, ClinicalTrials.gov, aus. In seinen Suchläufen ist das Programm auf bemerkenswerte Resultate gestoßen: Von rund der Hälfte aller klinischen Studien, die in den vergangenen zehn Jahren von einem größeren Sponsor betrieben worden sind, liegen keine Daten vor. Selbst zwei Jahre nach Studienende seien keine Informationen veröffentlicht worden.

Besonders schlecht schneidet nach dieser Untersuchung der französische Pharmakonzern Sanofi ab. In 65,5 Prozent der gesponserten Studien hat der Konzern keine Daten veröffentlicht. Von insgesamt 435 Studien hat das Unternehmen lediglich in 285 Fällen Daten publiziert. Auf der Negativliste steht auch Novartis. Der Schweizer Pharmariese hat in 37,6 Prozent der Fälle von seinen klinischen Studien keine Ergebnisse veröffentlicht.

Auch das nordamerikanische National Cancer Institute (NCI) bekommt von TrialsTracker keine guten Noten: Von insgesamt 558 klinischen Studien gab die Institution in 194 Fällen beziehungsweise 34,8 Prozent keine Daten bekannt. Unter deutschen Universitäten führt die Ludwig-Maximilians-Universität in München die Rangliste der niedrigsten Veröffentlichungs-Quote an: Ganze 74,3 Prozent aller Ergebnisse sollen laut TrialsTracker nicht veröffentlicht worden sein. Bei der Charité in Berlin sind es 63,0 Prozent. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch in anderen Ländern: Von 63,7 Prozent aller Studien des Hopitaux de Paris gab der französische Klinikbetreiber keine Studiendaten bekannt.

Insgesamt sind laut TrialsTracker seit 2006 von den größeren Sponsoren 25.927 klinische Studien vollendet worden, wobei von 11.714 Studien, an denen schätzungsweise 8,7 Millionen Patienten teilgenommen haben, keine Daten publiziert wurden.

Das Tool benennt aber auch positive Beispiele. So hat der irische Pharmakonzern Shire (https://www.shire.com/) für alle seiner 96 Studien in den zurückliegenden zehn Jahren Daten publiziert. Gut schneiden in der Untersuchung auch Johnson & Johnson und Genentech ab.