Ein oral verfügbarer Wirkstoff, der die Bildung von Beta-Amyloiden im Gehirn stoppen soll, hat nach erfolgreichen tierexperimentellen Studien einen ersten klinischen Test bestanden.

Laut der Publikation in Science Translational Medicine (2016; 8: 363ra150) senkt der BACE1-Inhibitor Verubecestat bei Gesunden und bei Patienten die Konzentration der Enzym-Abbauprodukte im Liquor. Der Hersteller hat bereits mit zwei großen Phase 3-Studien begonnen, an deren Ende die Zulassung einer Tablette stehen könnte, die Beta-Amyloide aus dem Gehirn beseitigt.

Die Entfernung von Beta-Amyloiden gehört derzeit zu den Schwerpunkten der Arzneimittelforschung bei dieser Erkrankung. Einige Hersteller experimentieren mit monoklonalen Antikörpern, die die Proteine aus dem Gehirn „fischen“ sollen. Ein anderer Ansatz ist die Blockade von Enzymen, die an der Produktion von Beta-Amyloiden beteiligt sind.

Zu diesen Enzymen gehört BACE1. Dem Hersteller Merck ist es gelungen, einen Wirkstoff zu finden, der nicht nur BACE1 selektiv hemmt. Verubecestat (MK-893) ist auch in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und in die Nervenzellen einzudringen, wo das Enzym BACE1 die Beta-Amyloide aus Vorläuferproteinen herstellt. Verubecestat ist darüberhinaus auch oral verfügbar. Sollte der Wirkstoff sicher und effektiv sein, könnte in einigen Jahren die erste Tablette gegen die Altersdemenz eingeführt werden.

Verubecestat hat bei Ratten und Affen die Konzentration von Abeta40, Abeta42 und sAPPbeta, den direkten Produkten des Enzyms BACE1, gesenkt. Verubecestat hat sich zudem als gut verträglich herausgestellt. Wie Matthew Kennedy von Forschungs­zentrum des Herstellers in Kenilworth/New Jersey und Mitarbeiter berichten, traten selbst bei 40-fach höherer Konzentration als zur Enzymhemmung notwendig wäre, keine nennenswerten Toxizitäten auf. Es sei weder zu Störungen der Myelinisierung gekommen, bei der die Nervenkabel mit einer Isolationsschicht versehen werden, die die Signalleitung fördern. Noch habe es Hinweise auf eine Neurodegeneration, Störungen des Blutzuckers oder eine Leberschädigung gegeben.